Wissen · Systeme

Systeme der Pionierstädte

Aufbau, Wasserführung und Einbau: vier Ansätze im Zusammenhang.

System 01

Stockholm · Wurzelraum unter befestigten Flächen

Bäume und Pflanzbeete in einem Stockholmer Straßenraum
Baumstandorte und bepflanzte Flächen im Stockholmer Straßenraum.Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen
Beschrifteter Schnitt einer Stockholmer Pflanzgrube mit Schottergerüst und Belüftungsbrunnen
Ein tragfähiger Aufbau verbindet Baumstandort, Wasserzufuhr und Belüftung.Quelle: Stadt Stockholm, Pflanzgruben-Handbuch 2017

In Stockholm wird der Wurzelraum über die offene Baumscheibe hinaus unter Gehwege und Plätze erweitert. Grobe, lagenweise verdichtete Steine tragen die Oberflächenlast. Ihre zusammenhängenden Zwischenräume nehmen Feinsubstrat auf und ermöglichen den Austausch von Luft und Wasser.

Neben der klassischen Skeletterde beschreibt das Handbuch vorgemischten Pflanzenkohle-Schotter. Pflanzenkohle und Kompost werden dabei auf die jeweilige Bauweise abgestimmt. Regenwasser gelangt über geplante Einläufe in den Standort; Belüftung und Überlauf gehören zum Entwurf. Eine offene Steinschicht allein ersetzt diese Planung nicht.

Stadt Stockholm: Planting beds in the City of Stockholm, 2017/2022.

Aufbau, Einbau und weitere Bilder →

System 02

Malmö · Blau, Grün und Grau gemeinsam planen

Bepflanztes Baumbeet vor einem Backsteingebäude in Malmö
Ein offenes Baumbeet im Straßenraum von Malmö.Foto: Emir Hasanagić
Schnittperspektive eines Blue-Green-Grey-Straßenraums mit offenporiger Tragschicht
Der Flexbereich verbindet nutzbare Oberfläche, Vegetation und Regenwasserspeicher.Illustration: Martin Vysoký und das Illustrationsteam von edge · Livable ’scapes, Version 3.0, Abb. 5, S. 20

Das Blue-Green-Grey-Prinzip betrachtet Regenwasser, Vegetation und Straßenaufbau als zusammenhängenden Raum. Eine offenporige Tragschicht kann Wasser zurückhalten und verteilen. Baumbeete, Einläufe und befestigte Flächen werden so angeordnet, dass der verfügbare Untergrund gemeinsam genutzt wird.

Wie viel Wasser gespeichert wird und wie es wieder abfließt, hängt von Schichtaufbau, Untergrund, angeschlossener Fläche und Ablaufhöhe ab. Bei der Planung werden deshalb kleine Regenereignisse, Starkregen und die Entleerung nach dem Regen getrennt betrachtet. Malmö ist ein Praxisbeispiel; das BGG-Handbuch beschreibt Bauweisen für unterschiedliche Standorte.

Fridell, Vysoký & Sixtensson / edge: Livable ’scapes – A Handbook of Bluegreengrey Systems, Version 3.0, 2023.

Aufbau, Einbau und weitere Bilder →

System 03

Wien und Graz · Das Schwammstadtprinzip für Bäume

Feinsubstrat wird mit einem Schlauch in eine grobe Schotterschicht eingeschlämmt
Feinsubstrat wird zwischen die lastabtragenden Grobsteine eingebracht.Bildquelle: Black2GoGreen
Schema eines Grazer Baumstandorts mit Regenwasserzufuhr und vergrößertem Wurzelraum
Regenwasser versorgt einen zusammenhängenden Wurzelraum unter dem Straßenraum.Quelle: Gernot Passath / Stadt Graz

Die österreichische Weiterentwicklung schafft großräumigen Wurzelraum unter befestigten Flächen. Ein Gerüst aus Grobsteinen trägt die Last, während das abgestimmte Feinsubstrat Wasser und Nährstoffe bereitstellt. Die Wasserzufuhr wird passend zum Standort entworfen.

Pilot- und Forschungsstandorte liegen unter anderem in der Wiener Jägerhausgasse, in der Seestadt und am Leonhardgürtel in Graz. Ihre Erfahrungen fließen in die Orientierungshilfe des Bundesamts für Wasserwirtschaft ein. Entscheidend sind die Verbindung der Baumstandorte, ein kontrollierter Wasserhaushalt und die Dokumentation der eingebauten Bauweise.

Bundesamt für Wasserwirtschaft: Forschungsstandorte in Wien und Graz; BAW-Schriftenreihe 38, 2026.

Aufbau, Einbau und weitere Bilder →

System 04

Zürich · Baumsubstrat 2.0

Baum in einem offenen bepflanzten Beet an der Zürcher Giessereistrasse
Baumstandort an der Giessereistrasse; der Wurzelraum setzt sich unter befestigten Flächen fort.Bildquelle: Black2GoGreen
Querschnitt einer Zürcher Baumreihe mit A2 und A1 in den offenen Baumgruben und B unter dem Gehweg
A2 und A1 liegen in der offenen Baumgrube; das überbaubare Substrat B verbindet die Standorte unter befestigten Flächen.Quelle: Grün Stadt Zürich, Baumgruben mit Baumsubstrat 2.0

Grün Stadt Zürich unterscheidet zwei nicht überbaubare Substrate für die offene Baumgrube: A2 im oberen und A1 im unteren Bereich. Das überbaubare Substrat B ermöglicht zusätzlichen Wurzelraum unter Gehwegen und verbindet benachbarte Baumgruben. Die drei Typen erfüllen unterschiedliche Aufgaben; sie sind keine überall gleiche dreischichtige Drainagekonstruktion.

Die ZHAW untersuchte auf dem Campus Grüental zwölf Ulmen in drei Substratmischungen. Ein nachgestellter Gehweg leitete Regenwasser in die Baumgruben. Bodensensoren und Wurzelkameras erfassten Wasserhaushalt und Wurzelentwicklung. Regenwasseranschluss, Gewässerschutz und die Vermeidung von Staunässe bleiben Teil der Standortplanung.

Stadt Zürich: Arbeitshilfe Umgang mit Regenwasser, 2025, S. 26; ZHAW: Freiluftversuch in Wädenswil, 2022–2026.

Aufbau, Einbau und weitere Bilder →