Baumsubstrat 2.0

Zürcher System

Grün Stadt Zürich setzt auf drei bauseits gemischte Substrate statt Einschlämmen. Aufbau, Kennwerte und Einsatzbereiche des Zürcher Baumsubstrats 2.0.

Grün Stadt Zürich unterscheidet beim Baumsubstrat 2.0 die offene Baumgrube und den zusätzlich nutzbaren Raum unter befestigten Flächen. Die Substrate A2 und A1 versorgen die offene Pflanzgrube. Das überbaubare Substrat B erweitert und verbindet den Wurzelraum. Damit werden die unterschiedlichen Anforderungen an Pflanzstandort und befestigte Oberfläche im Aufbau berücksichtigt.

Querschnitt einer Zürcher Baumreihe mit verbundenen Baumgruben
Baumgrube und Wurzelkorridor. Quelle: Grün Stadt Zürich, Merkblatt „Baumgruben mit Baumsubstrat 2.0“, 1000-M-003.

Drei Substrate mit unterschiedlichen Aufgaben

Das Merkblatt beschreibt A2 als nährstoffreichen oberen Pflanzbereich und A1 als mineralischen unteren Bereich mit hohem Porenvolumen. Beide sind nicht überbaubar. Substrat B bildet den lastabtragenden, durchwurzelbaren Verbindungsbereich unter befestigten Flächen. Es ist somit mehr als eine Drainage am Grund einer einzelnen Pflanzgrube.

In der dargestellten Standardsituation werden insgesamt 34,5 m³ Substrat vorgesehen: 2,5 m³ A2, 3 m³ A1 und 29 m³ B. Die Rezepte im Merkblatt sind ausdrücklich Volumenanteile. Sie dürfen nicht mit den Massenanteilen anderer Veröffentlichungen gleichgesetzt werden.

KomponenteA2A1B
Mischgesteinsschotter 64/125 mm––30 %
Mischgesteinsschotter 32/64 mm––30 %
Mischgesteinsschotter 16/32 mm–40 %–
Mischgesteinsschotter 8/16 mm45 %10 %–
Bruchsand 1/4 mm5 %10 %10 %
Blähschiefer 8/16 mm30 %25 %15 %
Konditionierte EBC-Pflanzenkohle5 %5 %10 %
Landerde15 %10 %–
Schwarzerde––5 %

Quelle: Grün Stadt Zürich, Merkblatt 1000-M-003, S. 3. Alle Angaben in Vol.-%.

Einbau und Standortplanung

Die Substrate werden fertig gemischt eingebaut. Der Wurzelkorridor wird lagenweise hergestellt; anschließend werden die offenen Baumgruben aufgebaut. Leitungen und Kabelkanäle sind frühzeitig mitzuplanen, damit der nutzbare Wurzelraum nicht durch spätere Eingriffe verloren geht.

Das Merkblatt behandelt die Eignung von Gehwegen, Radwegen und Parkflächen. Regenwasseranschluss und Untergrund müssen standortbezogen geprüft werden. Ein nominell großes Substratvolumen sichert die Funktion noch nicht: Wasser muss die durchwurzelbaren Bereiche erreichen und kontrolliert wieder abfließen können.

Aushub für die Baumstandorte an der Giessereistrasse
Aushub der zusammenhängenden Pflanzfläche an der Giessereistrasse. Bildquelle: Black2GoGreen – Originalabbildung.
Grobe Gesteinskörnung auf der Baustelle an der Giessereistrasse
Gesteinsgerüst während des Einbaus. Bildquelle: Black2GoGreen – Originalabbildung.
Einbau des Substrats in der zusammenhängenden Pflanzfläche
Einbau der Baumsubstrate. Bildquelle: Black2GoGreen – Originalabbildung.

Regenwasser und Gewässerschutz

Mit Abfluss von Straßen und Plätzen gelangen auch Partikel, Schwermetalle und organische Mikroverunreinigungen in den Baumstandort. Burkhardt und Patrick untersuchten 2024 verschiedene Baum- und Fugensubstrate in Säulen- und Schachtversuchen. Der Schadstoffrückhalt hängt von Stoff, Kontaktzeit und Aufbau ab. Ergebnisse für die feinere Prüfprobe eines Substrats können nicht unverändert auf die gesamte grobsteinige Mischung übertragen werden.

Die Zürcher Arbeitshilfe zum Regenwasser unterscheidet deshalb Belastungsklassen, Gewässerschutzbereiche und mögliche Grubenaufbauten. Ein Regenwasseranschluss braucht eine entsprechende Beurteilung; die Bezeichnung „Schwammstadt“ ersetzt sie nicht.

Einlauf und Baumrigole an der Giessereistrasse
Einlauf und bepflanzter Retentionsraum. Bildquelle: Black2GoGreen – Originalabbildung.
Detail des Regenwassereinlaufs
Die Wasserzufuhr wird als Bestandteil des Baumstandorts geplant. Bildquelle: Black2GoGreen – Originalabbildung.

Quelle: Burkhardt, M.; Patrick, M. (2024): Schadstoffrückhalt von Substraten. Aqua & Gas 10/2024.

Forschung am Campus Grüental

Die ZHAW untersuchte im Auftrag von Grün Stadt Zürich drei strukturstabile Substratmischungen in einem Freiluftversuch. Auf dem Campus Grüental wurden zwölf Ulmen der Sorte Ulmus ‘Rebona’ gepflanzt. Ein nachgestellter Gehweg leitete Regenwasser in die Baumgruben. Bodensensoren erfassten den Wassergehalt, Wurzelkameras machten die Entwicklung unter der Oberfläche beobachtbar. Das Projekt lief von November 2022 bis Januar 2026.

Versuchsanlage mit getrennten Baumkammern auf dem Campus Grüental
Freiluftversuch mit zwölf Baumkammern. Quelle: ZHAW, Forschungsgruppe Pflanzenverwendung, Projekt „Neues überbaubares Standard-Baumsubstrat“.

ZHAW: Beschreibung des Forschungsprojekts.

Praxisbeispiel Giessereistrasse

Die Bildfolge zeigt den Weg vom Aushub über den Substrateinbau und die Wasserzufuhr bis zum bepflanzten Baumstandort. Der Zusammenhang ist entscheidend: Ein vergrößerter Wurzelraum, geeignete Pflanzen und eine geplante Wasserführung werden gemeinsam umgesetzt.

Baum in einem bepflanzten Beet an der Giessereistrasse
Bepflanzter Baumstandort an der Giessereistrasse. Bildquelle: Black2GoGreen – Originalabbildung.

Weiterführende Beschreibung: Heinrich, A.; Saluz, A. G.; Stevanović, S. (2021): Regenwasser-Management – Das Prinzip Schwammstadt.

Quellen

  • Grün Stadt Zürich: Baumgruben mit Baumsubstrat 2.0. Merkblatt für Planende, 1000-M-003. Original-Merkblatt, abgerufen am 13.10.2026.
  • Stadt Zürich (2025): Arbeitshilfe Umgang mit Regenwasser, S. 26. Original-Arbeitshilfe.
  • Burkhardt, M.; Patrick, M. (2024): Schadstoffrückhalt von Substraten. Aqua & Gas 10/2024. Fachartikel.
  • ZHAW: Neues überbaubares Standard-Baumsubstrat für den Einsatz im urbanen Raum: Ein Freiluftversuch mit Stadtbäumen in Wädenswil, Projektlaufzeit 11/2022–01/2026. Projektbeschreibung.
  • Heinrich, A.; Saluz, A. G.; Stevanović, S. (2021): Regenwasser-Management – Das Prinzip Schwammstadt. Stadt + Grün 08/2021. Fachartikel.
Emir Hasanagić

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Emir Hasanagić

Emir Hasanagić ist Projektmanager und Ansprechpartner von Black2GoGreen. Er verbindet fachliche Inhalte, den Austausch im Netzwerk und die Weiterentwicklung dieser Plattform.

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