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Aktivitäten
Am 12.02.2026 fand unser erster Black2GoGreen Online-Stammtisch statt. Damit begann eine neue Veranstaltungsreihe.
Mit 43 Teilnehmenden war der Stammtisch sehr gut besucht. Emir Hasanagić berichtete aus der Praxis über das Reallabor in Wettenberg, Georg Ardissone-Krauss stellte das BBSR-Projekt Klimaräume in Darmstadt vor. Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte, inhaltlich dichte Diskussion mit vielen Rückfragen und Beiträgen aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven.
Die hohe Beteiligung und das große Interesse haben uns sehr positiv überrascht und bestärken uns darin, die Reihe fortzusetzen. Auch künftig möchten wir kurze, praxisnahe Impulse mit offenem Austausch verbinden und Themen aus Planung, Umsetzung und Betrieb klimaangepasster Stadtgrün-Projekte gemeinsam diskutieren.

Vielen Dank an alle, die teilgenommen und zur offenen, konstruktiven Diskussion beigetragen haben. Wir freuen uns darauf, Sie beim nächsten Online-Stammtisch am 12.03.2026 mit neuen Themen wiederzusehen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
PS: Bitte vergessen Sie nicht, sich für unsere Tagung am 25. und 26. März 2026 anzumelden!

Tagung 2026
Measuring Urban Resilience – Substrates, Monitoring and Ecosystem Services
Rund 120 Teilnehmende, etwa 20 Vorträge und fünf ausstellende Unternehmen – die Tagung 2026 widmete sich strukturstabilen Substraten, Pflanzenkohle, Monitoring und der Messbarkeit urbaner Ökosystemleistungen.
Am 25. und 26. März 2026 fand an der Hochschule Geisenheim University die Black2GoGreen Tagung unter dem Titel „Measuring Urban Resilience – Substrates, Monitoring and Ecosystem Services“ statt. Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen erkannte die Veranstaltung mit 8 Fortbildungspunkten pro Tag (insgesamt 16 Punkte) an. Sie richtete sich an Fachleute aus Planung, Forschung und Praxis.
Rund 120 Teilnehmende, etwa 20 Vorträge und fünf ausstellende Unternehmen kamen zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen der klimaresilienten Stadtentwicklung auszutauschen. Im Fokus standen strukturstabile Substrate, Pflanzenkohle, Monitoringansätze und die Frage, wie urbane Ökosystemleistungen messbar und vergleichbar werden.
Die Vorträge deckten ein breites Spektrum ab – von den Grundlagen urbaner grüner Infrastruktur über Biodiversität und Klimaanpassung bis zu großen Transformationsprojekten und konkreten Umsetzungsstrategien in Städten. Ergänzt wurde dies durch aktuelle Forschung zu Wurzelraum, Wasserspeicherung, Retentionssystemen und digitalen Methoden wie Remote Sensing.
Neben den Inhalten stand der Austausch im Vordergrund: Die Tagung bot Raum für Diskussion, Vernetzung und offene Gespräche zwischen Disziplinen und Perspektiven. Die Tagung 2026 markierte zugleich den Abschluss der im Rahmen der BMUKN-Förderung organisierten Veranstaltungsreihe.










ab 8:00 Get-together · 08:45–09:00 Begrüßung und Einführung: Black2GoGreen – Prof. Dr. Claudia Kammann

Der Vortrag stellte Ergebnisse eines langjährigen Forschungsvorhabens zur Optimierung von Wurzel- und Standraum von Stadtbäumen vor. Zentrale Erkenntnis: Nicht Wassermangel, sondern mangelnde Bodenbelüftung begrenzt das Wurzelwachstum. Durch gezielte Belüftung lässt sich die Wurzelentwicklung horizontal und vertikal steuern und in tiefere Bodenschichten lenken. Bautechnische Maßnahmen können die Wurzelarchitektur gezielt beeinflussen, Schäden an der Infrastruktur verringern und die Vitalität der Bäume verbessern; der unterirdische Raum im Straßenquerschnitt lässt sich aktiv als durchwurzelbarer Standort nutzen. Für die Praxis heißt das: Relativ einfache Maßnahmen wie Belüftungsgräben oder Tiefenbelüftung verbessern Standfestigkeit und langfristige Entwicklung von Straßenbäumen und senken Pflege- und Folgekosten, weil die Bäume früher tiefere Bodenschichten erschließen und sich selbst mit Wasser versorgen.

Der Vortrag zeigte Ansätze, Ökosystemleistungen im urbanen Raum als Grundlage für klimaangepasste Planung zu erfassen und zu bewerten – über messbare Indikatoren wie Versiegelung, Verdunstung, Biodiversität und Kohlenstoffspeicherung. Im Mittelpunkt steht eine GIS-basierte Methodik auf Grundlage detaillierter Biotop- und Baumkartierung, die bewusst für die kommunale Praxis anwendbar ist. Die Ergebnisse zeigen die Bedeutung von Stadtgrün für Mikroklima und Lebensqualität: Die Beschattung durch Bäume verringert die thermische Belastung und hilft, Hitze-Hotspots zu identifizieren. Zudem wird das Potenzial zur CO₂-Speicherung sichtbar – allein die untersuchten Stadtbäume binden rund 465.000 kg CO₂.

Auf Basis simulationsgestützter Untersuchungen analysierte der Vortrag, wie sich Bewässerung und Entsiegelung an stark versiegelten Standorten auf Wachstum, Kühlleistung und Wasserhaushalt von Stadtbäumen auswirken. Bewässerung steigert den Biomassezuwachs (+125 %) und die transpirative Kühlleistung (+43 %) deutlich, verringert aber den Oberflächenabfluss nicht. Entsiegelung wirkt deutlich stärker: Biomassezuwachs (+176 %) und Kühlleistung (+97 %) steigen, der Oberflächenabfluss sinkt (−31 %). In Landnutzungsszenarien sinkt der Abfluss mit abnehmender Versiegelung stark (bis zu −90 %), während die Verdunstung zunimmt. Entsiegelung und bodenstrukturelle Maßnahmen sind daher zentral für eine langfristig wirksame Klimaanpassung; Bewässerung ist eine ergänzende Maßnahme.

Untersuchungen zur Biodiversität auf Stadtbäumen zeigen, dass heimische wie gebietsfremde Arten Lebensräume für zahlreiche Arthropoden bieten. Erfasst wurden über 90.000 Individuen aus 17 Insektenordnungen sowie Spinnen; zudem wurden 57 Wildbienenarten nachgewiesen, die auf allen untersuchten Baumarten vorkommen. Arten der Roten Liste wurden ausschließlich auf bestimmten gebietsfremden Bäumen gefunden. Mischpflanzungen aus verschiedenen Baumarten erhöhen die Biodiversität und stärken die Resilienz urbaner Systeme. Strukturreiche Grünstreifen und ein kontinuierliches Blütenangebot fördern die Insektenvielfalt; eine Konkurrenz zwischen Wild- und Honigbienen ließ sich bei ausreichendem Nahrungsangebot nicht nachweisen.


Stadtbäume stehen durch Hitze, Trockenheit und begrenzten Wurzelraum zunehmend unter Druck. Viele klassische Baumstandorte bieten weder ausreichend Wasser noch Luft im Boden, was Wachstum, Vitalität und Lebensdauer einschränkt. Im Mittelpunkt steht das Schwammstadtprinzip: Strukturstabile Substrate und mineralische Tragschichten schaffen einen durchwurzelbaren, belüfteten und zugleich wasserspeichernden Untergrund. Niederschlagswasser wird vor Ort gespeichert, verteilt und den Bäumen verfügbar gemacht – das verbessert den Wasserhaushalt und entlastet die Kanalisation. Begleitende Untersuchungen mit Lysimetern, Dendrometern und Chlorophyllmessungen zeigen eine gute bis sehr gute Entwicklung der Bäume und eine zunehmende Nutzung des gespeicherten Bodenwassers in Trockenperioden. Unterschiede zwischen Standorten und Baumarten werden sichtbar, ohne dass sich bisher eindeutige „Verlierer“ abzeichnen. Entscheidend ist die Kombination aus geeignetem Baumartenportfolio und angepassten Substratsystemen.

Im Zentrum Stockholms entsteht mit Slussen eine der komplexesten städtebaulichen Transformationen der Gegenwart. Der ehemals verkehrsdominierte Knotenpunkt wird schrittweise zu einem vielfältigen Stadtraum umgebaut, der Mobilität, Aufenthaltsqualität und Freiraumgestaltung verbindet. Neben der Neuordnung der Verkehrsströme steht die Anpassung an den Klimawandel im Fokus: Der Umbau verbessert die Wasserregulierung des Mälarsees, verringert Hochwasserrisiken und sichert langfristig die Trinkwasserversorgung. Neue Plätze und Freiräume wie das Vattentorget, Södermalmstorg und Katarinaparken verbinden urbanes Leben, Erholung und Begegnung und schaffen neue Beziehungen zwischen Stadt und Wasser.

Im Wohngebiet Stein wird Regenwasser nicht mehr in den Kanal geleitet, sondern bleibt vor Ort und versickert über Baumrigolen. So konnte der bestehende Mischwasserkanal unverändert bleiben. Die Baumrigolen nehmen Wasser von Straßen und Wegen auf, reinigen es und speichern es im Substrat, wo es den Bäumen zur Verfügung steht. Insgesamt werden rund 5.500 m² Verkehrsflächen entwässert. Das System ist von außen kaum sichtbar, verändert aber grundlegend den Umgang mit Regenwasser: Statt Ableitung steht Nutzung im Vordergrund.

Am Homburger Damm in Frankfurt wird ein bisher getrennter, wenig genutzter Raum zu einem zusammenhängenden Platz umgebaut. Ausgangspunkt waren versiegelte Flächen, ein alter Spielplatz und Probleme mit Starkregen auf lehmigen Böden. Durch Entsiegelung, neue Baumpflanzungen und große Grünbeete entsteht ein Ort, der genutzt und wahrgenommen wird: 14 neue Bäume werden gepflanzt und rund 150 m² Fläche entsiegelt. Das Regenwasser wird gezielt in die Grünflächen geleitet, dort zurückgehalten und den Pflanzen zur Verfügung gestellt. Die Oberfläche ist so modelliert, dass Wasser in abgesenkte Bereiche fließt und kurzfristig gespeichert wird; ergänzend nehmen unterirdische Retentionsräume Wasser auf und geben es zeitverzögert ab.

Mit dem Projekt NEWS wird in Frankfurt ein neuer Umgang mit Bewässerung erprobt: Statt nach Erfahrung wird auf Basis von Messdaten gearbeitet. Bodensensoren erfassen Feuchte und Wasserspannung in verschiedenen Tiefen und zeigen, wie viel Wasser den Pflanzen tatsächlich zur Verfügung steht. Kombiniert mit Wetter- und Standortinformationen entstehen konkrete Empfehlungen, wann und wie viel bewässert werden soll. Erste Anwendungen im Palmengarten zeigen, dass Wasser gezielter eingesetzt und unnötige Bewässerung vermieden werden kann. Perspektivisch soll die Bewässerung teilweise automatisiert werden.
Anschließend: Kurzvorstellungen („Wir stellen vor …“), Podiums- und Plenumsdiskussion sowie ein Rundgang mit Besichtigung des FACE-Experiments und des Agri-PV-Reallabors für Weinbauforschung (Prof. Dr. Claudia Kammann).

Mykorrhiza beschreibt die enge Verbindung zwischen Pilzen und Baumwurzeln, von der beide Partner profitieren. Je nach Baumart treten unterschiedliche Formen auf, die an der Wurzeloberfläche ansetzen oder in die Wurzelzellen eindringen. Dadurch verbessert sich die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen, und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenstress, Schadstoffen und Krankheiten steigt. Für die Praxis ist die Auswahl geeigneter Pilzpartner entscheidend: Nicht jede Kombination wirkt, und Mischungen können sich gegenseitig hemmen. Erfahrungen zeigen, dass sich Wachstum, Vitalität und Überlebensrate von Bäumen deutlich verbessern können. Mykorrhiza ist aber kein Ersatz für geeignete Standorte oder Substrate, sondern wirkt nur in Kombination mit funktionierenden Bodenverhältnissen.

Wasser ist im städtischen Raum oft der begrenzende Faktor für das Wachstum von Bäumen. Was auf dem Papier nach ausreichender Speicherkapazität aussieht, zeigt sich im Alltag anders: Ein großer Teil des Wassers bleibt für die Pflanzen unerreichbar, während ihr Bedarf in warmen Perioden deutlich höher liegt, als Niederschläge nachliefern. Klassische Anforderungen und Kennwerte greifen zu kurz, wenn sie nicht unter realen Bedingungen gedacht werden. Entscheidend ist nicht, wie viel Wasser theoretisch gespeichert werden kann, sondern wie viel davon im Wurzelraum ankommt und verfügbar bleibt. Daraus folgt, Substrate bewusster zu entwickeln, ihre Kennwerte verständlicher zu machen und die Bewässerung daran anzupassen.

Die Präsentation zeigte die TFI-Methode zur Sanierung verdichteter Baumstandorte mittels Druckluftinjektion. Verdichtete Böden werden gezielt aufgelockert und ein speziell entwickeltes organisch-mineralisches Substrat wird eingebracht; das verbessert Bodenbelüftung, Wasserinfiltration und Wurzelentwicklung. Anhand zahlreicher Projekte wurde gezeigt, dass sich Vitalität, Stabilität und Lebensdauer der Bäume erhöhen und Funktionen wie Wasserspeicherung, Schadstoffbindung und CO₂-Bindung gestärkt werden. Die Methode kann als Baustein einer „Schwammstadt light“ verstanden werden.

Fernerkundung und digitale Modelle zeigen Stadtlandschaften als dynamische Räume, in denen sich Klima, Nutzung und Vegetation ständig verändern. Gleichzeitig wird deutlich, wie lückenhaft das Monitoring vielerorts ist – besonders bei Extremereignissen und langfristigen Veränderungen. Anhand multispektraler Satellitendaten wurde gezeigt, wie sich Stadtvegetation differenziert erfassen lässt: Unterschiede in der Verteilung von Grün, Fragen der Zugänglichkeit und Veränderungen über Jahrzehnte werden greifbar. Vegetationsindizes machen Zusammenhänge zwischen Trockenstress und Baumvitalität sichtbar und erlauben vergleichbare Auswertungen auf Einzelbaum- und Stadtebene.

Fernerkundung ermöglicht es, urbanes Grün flächendeckend und vergleichbar zu erfassen – auf öffentlichen wie privaten Flächen. Auf Basis hochaufgelöster Satelliten- und Luftbilddaten werden Stadtbäume einzeln kartiert, ihre Kronenfläche, Höhe und Verteilung bestimmt und in Beziehung zur Landnutzung gesetzt. Darauf aufbauend lassen sich Baumarten klassifizieren. Prozessbasierte Modelle schätzen Ökosystemleistungen wie Biomasseaufbau, Wasserhaushalt und Kühlwirkung räumlich differenziert ab. Zudem werden Methoden zur Vitalitätsbewertung entwickelt, die Luftbilder, Satellitendaten und KI-gestützte Auswertungen kombinieren.

Strukturstabile Baumsubstrate werden auf Versuchsflächen und in Projekten in Zürich unter realen Bedingungen untersucht. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie überbaubare Standorte aufgebaut sein müssen, damit sie trotz Verdichtung ausreichend Wasser, Luft und durchwurzelbaren Raum bieten. Verglichen werden verschiedene Substratmischungen und Aufbauvarianten hinsichtlich Pflanzenwachstum, Bodenfeuchte und Wurzelentwicklung. Geprüft wird auch, ob Materialien wie Lavalit als Alternative zu etablierten Komponenten funktionieren und welche Bedeutung mehrschichtige Systeme im Wurzelraum tatsächlich haben. Erfahrungen aus der Umsetzung von Schwammstadt-Ansätzen ergänzen die Ergebnisse – einschließlich der praktischen Herausforderungen beim Einbau.

Pflanzenkohle ist ein vielseitiger Bestandteil von Substraten, dessen Wirkung stark vom Einsatzkontext abhängt. Ihre physikalische und chemische Struktur kann Wasser- und Nährstoffrückhalt, Porosität und mikrobielles Bodenleben beeinflussen; sie wird daher gezielt dort eingesetzt, wo im System Limitierungen bestehen. Der Vortrag stellte unterschiedliche Ansätze gegenüber – von klassischen Mischungen mit Kompost bis zu experimentellen Systemen, in denen Pflanzenkohle ohne organische Zuschläge eingesetzt und über Flüssigdüngung aktiviert wird. Entscheidend für das Pflanzenwachstum ist vor allem die Kombination mit geeigneten Nährstoff- und Mikroorganismenquellen. Praxisbeispiele waren die Beimischung von Pflanzenkohle zum Aushub als „Vor-Ort-Substrat“, die Tiefenlockerung verdichteter Böden und der Einsatz in Hanglagen zur Verbesserung der Wasserverfügbarkeit.

Pflanzenkohle wurde als Baustein einer urbanen Kohlenstoffsenke betrachtet, der über klassische Anwendungen im Boden hinausgeht. Ausgangspunkt ist die Pyrolyse, bei der Biomasse in stabile Kohlenstoffformen überführt wird. Neben der Nutzung in Substraten und Böden ging es um die Integration in technische Infrastruktur: Am Beispiel von Asphalt wurde gezeigt, wie Pflanzenkohle als Zusatzstoff Emissionen verringern und zugleich Kohlenstoff dauerhaft speichern kann. Pilotprojekte zeigen das Potenzial, aber auch die Anforderungen an Materialqualität, Normierung und Zertifizierung.

Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) ist ein zentrales Förder- und Maßnahmenprogramm der Bundesregierung zur Stärkung von Ökosystemen als Kohlenstoffsenken. Es umfasst 10 Handlungsfelder und 69 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 4,5 Mrd. € und läuft von 2023 bis 2029. Natürlicher Klimaschutz bedeutet die Wiederherstellung und Nutzung intakter Ökosysteme, die CO₂ aufnehmen und langfristig speichern – mit Synergien für Klimaanpassung, Biodiversität, Gesundheit und Lebensqualität. Für Kommunen sind insbesondere Förderprogramme wie KfW 444 relevant, die Entsiegelung, Baumpflanzungen, naturnahe Grünflächen und Regenwassermanagement unterstützen. Das Programm wird derzeit weiterentwickelt, mit stärkerem Fokus auf Wälder, Moore und Böden.
Zum Abschluss: Plenumsdiskussion sowie Abschluss der Konferenz und Verabschiedung des Black2GoGreen-Teams.

Projekt
Titelbild: Felix Engelmann, Stadt Geisenheim
Das Rheingau-Stadion in Geisenheim ist seit Kurzem um 20 neu gepflanzte Bäume sowie mehrere heimische Sträucher reicher. Die Maßnahme dient als Ausgleich für Robinien, die in den vergangenen Jahren aus Gründen der Verkehrssicherheit an den Stadionhängen gefällt werden mussten. Mit der Nachpflanzung heimischer Arten wie Kornelkirsche, Walnuss, Esskastanie und Holunder wird die Biodiversität rund um die Sportanlage nachhaltig gestärkt – zumal das Umfeld bislang stark von den invasiven und aus naturschutzfachlicher Sicht umstrittenen Robinien geprägt war.

Ein Schwerpunkt der Pflanzaktion liegt auf der neu angelegten Baumreihe aus Kornelkirschen an der westlichen Tribüne. In enger Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim University wurden hier 13 Bäume als wissenschaftlich begleitete Versuchspflanzung gesetzt. Ziel ist es, unterschiedliche Pflanzweisen direkt miteinander zu vergleichen.
Dabei kommen drei Bauweisen für die Pflanzgruben zum Einsatz:
Während Baumsubstrat die Standortbedingungen für die Bäume verbessert, kann Pflanzenkohle zusätzlich positive Effekte auf den Wasserhaushalt, die Nährstoffverfügbarkeit und die langfristige Bindung von CO₂ im Boden haben. Im Rahmen des Projekts Black2GoGreen bringt die Hochschule Geisenheim ihr Fachwissen zur urbanen Nutzung von Pflanzenkohle ein und vernetzt Praxis und Forschung. Damit die Standorte vergleichbar sind, wurden vorab die Nährstoffgehalte in Boden und Substraten analysiert.


Projekt
Untersucht wird, wie sich unterschiedliche, am Markt verfügbare Baumsubstrate mit Pflanzenkohle unter vergleichbaren Bedingungen verhalten. Die Arbeit ist als Containerexperiment angelegt und wurde mit Jungbäumen der Art Carpinus betulus (Hainbuche) durchgeführt. Alle Bäume stammen aus der Baumschule der Hochschule Geisenheim University (HGU) und wurden nicht wurzelnackt, sondern mit erhaltenem Wurzelballen aus der Baumschulproduktion gepflanzt.
Gepflanzt wurde in standardisierte 90-Liter-Container. So hatten alle Varianten das gleiche Substratvolumen und einen vergleichbaren Wurzelraum.

Insgesamt wurden elf Substrate eingesetzt: konventionelle Baumschulsubstrate, kommerzielle Baumsubstrate mit Pflanzenkohle sowie mineralisch geprägte Mischungen und Eigenmischungen. Zwei Substrate dienen als Kontrolle: ein Baumschulsubstrat (Corthum BBS) und ein klassisches Stadtbaumsubstrat (Darmstadt).
Pro Substrat wurden in der Regel drei Wiederholungen mit jeweils zwei Bäumen pro Container angelegt. Die Container wurden zufällig angeordnet und im Verlauf des Versuchs erneut randomisiert. Bewässert wurde manuell zweimal pro Woche, unter gleichen Bedingungen für alle Varianten.
Die Angaben entsprechen den Informationen der Hersteller bzw. der dokumentierten Eigenmischungen.

Während der Vegetationsperiode wurde der Zustand der Bäume regelmäßig erfasst, unter anderem durch Messungen des Blattchlorophyllgehalts, der Transpirationsrate und der stomatären Leitfähigkeit. Gemessen wurde wöchentlich im gleichen Zeitfenster.
Parallel dazu wurden die Substrate im Labor analysiert, unter anderem auf pH-Wert, Salzgehalt, Lagerungsdichte und ausgewählte Nährstoffparameter – zu Beginn des Experiments und am Ende des Untersuchungszeitraums.
Der Versuch soll kommerziell verfügbare Substrate mit Pflanzenkohle unter kontrollierten Bedingungen vergleichbar machen. Verglichen werden die Substrate anhand ihrer Eigenschaften und der Reaktion der Bäume.
Ausgewertet wird auf Basis der gemessenen pflanzenphysiologischen Parameter und der dokumentierten Substrateigenschaften. Aspekte der Wirtschaftlichkeit können in einer späteren Einordnung berücksichtigt werden. Aussagen zu Wirkungen oder Bewertungen einzelner Substrate sind hier noch nicht enthalten.









Projekt
Am Bürgerhaus Wißmar entsteht kein klassischer Platz mit klimaangepasster Begrünung, sondern ein Reallabor: ein dauerhaft instrumentierter Freiraum, in dem unterschiedliche Bauweisen für urbane Baumstandorte unter identischen Standortbedingungen systematisch miteinander verglichen werden.
Der öffentliche Raum dient dabei nicht als Demonstrationsfläche, sondern als Messfeld. Ziel ist es, belastbare Erkenntnisse über die Leistungsfähigkeit strukturstabiler Baumsubstrate zu gewinnen – nicht im Labor oder Versuchsfeld, sondern im realen Straßen- und Platzraum.
Der Standort vereint typische Randbedingungen kommunaler Freiraumprojekte: Verkehrsflächen, Leitungen, Verdichtung, wechselnde Wasserverfügbarkeit und hohe thermische Belastung im Sommer. Genau diese Bedingungen machen ihn für einen experimentellen Ansatz geeignet.
Statt sich für ein einzelnes „bewährtes“ System zu entscheiden, wurde bewusst ein anderer Weg gewählt: Mehrere Substratsysteme werden parallel eingebaut – räumlich klar voneinander getrennt, aber klimatisch und konstruktiv vergleichbar.

Im Reallabor werden fünf Bauweisen für Baumstandorte untersucht:
Alle Varianten werden im selben Projektgebiet eingebaut – mit vergleichbaren Baumarten, identischer Exposition und gleichen Oberflächenbelastungen.


Das Reallabor ist als messbasierter Freiraum konzipiert. Im Mittelpunkt stehen die kontinuierliche Erfassung der bodenphysikalischen Prozesse im Wurzelraum und die objektive Dokumentation der oberirdischen Baumreaktion. Zentrale Instrumente sind Bodenfeuchte- und Bodentemperatursensoren sowie regelmäßige LiDAR-Erhebungen.
Jeder untersuchte Baumstandort ist mit vier Bodenfeuchte- und Bodentemperatursensoren (SMT-100) ausgestattet, die in unterschiedlichen Tiefen im Substrataufbau installiert werden. Insgesamt kommen 60 Sensoren zum Einsatz. Sie erfassen kontinuierlich, wie sich Wasserverfügbarkeit, Austrocknung und Temperatur im durchwurzelbaren Raum entwickeln. So lassen sich Unterschiede zwischen den Substratvarianten direkt und vergleichbar quantifizieren – insbesondere in Hitze- und Trockenphasen.
Die Sensoren werden zeitgleich mit dem Einbau der Substrate installiert. Die Datenerfassung beginnt also nicht erst im etablierten Zustand, sondern dokumentiert die Entwicklung der Baumstandorte ab dem ersten Betriebstag.
Die Sensoren sind über NB-IoT-Datenerfassungseinheiten vernetzt. Die Messwerte werden im 60-Minuten-Intervall automatisch übertragen und zentral gespeichert. Das ermöglicht eine hochaufgelöste Langzeitbeobachtung ohne manuelle Datenerhebung und bildet die Grundlage für eine belastbare Analyse von Substratfunktion, Wasserhaushalt und Temperaturverhalten unter realen Nutzungsbedingungen.
Ergänzend zur Bodensensorik wird die Entwicklung der Bäume oberirdisch mit regelmäßigen LiDAR-Scans erfasst. Die hochauflösenden 3D-Punktwolken dokumentieren Kronenvolumen, Blattflächenentwicklung und strukturelle Veränderungen über die Zeit.
Zusammen mit den bodenphysikalischen Messdaten entsteht so eine direkte Verknüpfung zwischen unterirdischen Prozessen (Wasser, Temperatur, Durchwurzelung) und der sichtbaren Reaktion der Bäume. Damit lassen sich die Auswirkungen der Substratsysteme nicht nur beschreiben, sondern quantitativ nachweisen.
Einbau der Makadamschicht und Herstellung des Pflanzsubstrats für das Stockholmer System (75 Vol.-% Splitt 2/6, 25 Vol.-% Pflanzenkohle/Kompost 50:50)























Tagung
Titelbild: Lūna Nueva Photography
Black2GoGreen Tagung 2025 – Fostering Green-Blue Urban Resilience – 3. und 4. April 2025, Hochschule Geisenheim University
Am 3. und 4. April 2025 fand an der Hochschule Geisenheim die zweite internationale Fachtagung des Wissenstransferprojekts Black2GoGreen statt. Über 110 Teilnehmende – darunter Wissenschaftler:innen, kommunale Vertreter:innen, Studierende und Praktiker:innen – kamen im neuen Tagungsgebäude der Hochschule zusammen, um aktuelle Entwicklungen rund um Pflanzenkohle-Substrate und urbane Klimaanpassung zu diskutieren.
Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Fostering Green-Blue Urban Resilience“ und widmete sich der Frage, wie Stadtgrün widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels werden kann. Im Fokus standen Baumsubstrate auf Basis von Pflanzenkohle, die Wasser speichern, Nährstoffe binden, Schadstoffe filtern und zur langfristigen Kohlenstoffspeicherung beitragen.

Im Zentrum der Tagung standen aktuelle Strategien zur klimaresilienten Stadtentwicklung – von der Wissenschaft bis zur Umsetzung. In mehreren Themenblöcken diskutierten Expert:innen den Einsatz von Pflanzenkohle in urbanen Substraten, um Stadtbäume vital zu halten, Wasser zu speichern und zugleich Kohlenstoff langfristig zu binden.
Zum Einstieg zeigte Prof. Dr. Annette Eschenbach (Universität Hamburg), wie sehr die Vitalität von Stadtbäumen vom Boden abhängt und welche Herausforderungen verdichtete und überformte Stadtböden für das Wurzelwachstum darstellen.
Anna Zeiser (Bundesamt für Wasserwirtschaft, Österreich) präsentierte Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt MuFuWu, das unterschiedliche Pflanzenkohle-Substrate hinsichtlich Wasserverfügbarkeit, Durchwurzelung und Baumvitalität untersucht. Einen besonders großen Anwendungsfall stellte Stefan Stevanović (ZHAW Zürich) vor: die Begrünung der Straßenüberdeckung Einhausung Schwamendingen mit Pflanzenkohle-Substraten – ein Projekt, das Technik und Vegetation verbindet.
Wie eine klimaangepasste Quartiersentwicklung ganzheitlich geplant und gemeinsam mit verschiedenen Akteursgruppen gestaltet werden kann, zeigte Stefan Böttger (Tilia GmbH) am Beispiel des Leipziger Modellprojekts L416. Den technischen Hintergrund ergänzte Prof. Dr. Michael Burkhardt (OST Rapperswil, Schweiz) mit Forschungsergebnissen zur Filterleistung verschiedener Substratmischungen bei der Behandlung von belastetem Regenwasser.
Ein besonderer Programmpunkt war der abendliche Praxis-Workshop „Pflanzenkohle selbst gemacht“, organisiert in Zusammenarbeit mit dem Projekt KohleBunt. In einer Kon-Tiki-Grube und einem Pyrolyseofen wurde live gezeigt, wie Pflanzenkohle aus Schnittgut hergestellt wird – inklusive des symbolischen „Pflanzenkohleführerscheins“.




Die Tagung zeigte erneut, wie wichtig interdisziplinärer Austausch und internationale Zusammenarbeit für die urbane Klimaanpassung sind. Black2GoGreen unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Kammann vernetzt seit 2023 Pionier:innen aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis, um das Potenzial von Pflanzenkohle im städtischen Raum sichtbarer und anwendbarer zu machen.
Ein zentrales Ziel bleibt es, Hemmschwellen abzubauen und mehr Kommunen zu ermutigen, erste Schritte mit dem sogenannten Stockholmer Modell zu gehen – einem Baumsubstrat aus Gesteinsschotter, Kompost und Pflanzenkohle, das bereits in Schweden, Österreich und der Schweiz eingesetzt wird.
Über die offene Plattform black2gogreen.com werden Materialien, Forschungsergebnisse und praktische Erfahrungen zugänglich gemacht. In den kommenden Monaten sind weitere Online-Workshops sowie die wissenschaftliche Begleitung kommunaler Pilotprojekte geplant. Auch eine dritte Fachtagung ist in Vorbereitung.
Die Hochschule Geisenheim bleibt damit ein aktiver Impulsgeber für eine grüne und klimaangepasste Stadtentwicklung.
Mehr zur Veranstaltung: Black2GoGreen Tagung 2025

Tagung 2025
Fostering Green-Blue Urban Resilience
Zweite internationale Fachtagung von Black2GoGreen am 3. und 4. April 2025 im neuen Hörsaalgebäude der Hochschule Geisenheim – mit Fachleuten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Nach der ersten Konferenz 2024 lud Black2GoGreen zur zweiten Black2GoGreen Tagung ein. Sie fand im neuen Hörsaalgebäude der Hochschule Geisenheim University statt.
Die Konferenz richtete sich an Landschaftsarchitekt:innen, Planungsbüros, Grünflächenämter, Klimamanager:innen und -beauftragte von Kommunen sowie an Studierende, die sich mit nachhaltiger Stadtentwicklung und Klimaanpassung befassen. Internationale Fachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stellten neue Erkenntnisse und Praxisbeispiele zu grün-blauer Infrastruktur, Stadtbäumen und dem Einsatz von Pflanzenkohle vor. Neben Fachvorträgen gab es praxisnahe Workshops, Gelegenheit zum Networking sowie Ausstellungsflächen für Unternehmen und Organisationen.
Die Tagung wurde von der Architektenkammer Hessen als Fortbildungsveranstaltung anerkannt und mit 16 Fortbildungspunkten bewertet. Die Teilnahmegebühr betrug 120 € pro Person für beide Tage, für Studierende 60 €.
Einen Bericht über die Tagung finden Sie im Rückblick auf die Black2GoGreen Tagung 2025.
| Uhrzeit | Programmpunkt |
|---|---|
| ab 8:00 | Get-together mit Getränken und Gesprächen |
| 08:45–09:00 | Begrüßung und Einführung: Ein Jahr Black2GoGreen – Prof. Dr. Claudia Kammann |
Themenblock 1 – Klimaanpassung im urbanen Raum: vom Konzept zur Umsetzung
| Uhrzeit | Vortrag |
|---|---|
| 09:00–10:00 | Stadtbäume im Klimawandel: Forschung an der Uni Hamburg – Prof. Dr. Annette Eschenbach |
| 10:00–11:00 | Straßenräume und das Stockholmer Modell in Deutschland – Prof. Florian Otto |
| 11:00–11:30 | Pause |
Themenblock 2 – Forschung & Entwicklung I
| Uhrzeit | Vortrag |
|---|---|
| 11:30–12:30 | Ergebnisse aus dem FFG-Forschungsprojekt MuFuWu – Anna Zeiser |
| 12:30–13:30 | Innovative Substratversuche mit Pflanzenkohle zur Begrünung einer Straßenüberdachung in Zürich – Stefan Stevanović |
| 13:30–14:45 | Mittagessen in der Mensa – Networking |
Themenblock 3 – Substrate und Technik: Lösungen für Stadtgrün und Entwässerung
| Uhrzeit | Vortrag |
|---|---|
| 14:45–15:00 | Pflanzenkohleführerschein – ein Workshopformat zur Wissensvermittlung und Akzeptanzerhöhung |
| 15:00–16:00 | Urbane Anwendung von Pflanzenkohle: Praxis und Ausschreibung – Ron Richter |
| 16:00–17:00 | Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Starkregensimulation – Prof. Dr. Andreas Thon |
| 17:00–18:00 | Das KfW-Umweltprogramm: Natürlicher Klimaschutz in Kommunen – Jana Krohn |
| 18:00–18:30 | Pause |
Pflanzenkohle selbst gemacht
| Uhrzeit | Programmpunkt |
|---|---|
| 18:30–19:00 | Pflanzenkohleproduktion mit Kon-Tiki – Georg Ardissone-Krauss |
| 18:30–19:00 | Pflanzenkohleherstellung mit unterschiedlichen Pyrolyseöfen – Johannes Tangen |
| ab 19:00 | Abendessen in der Mensa – Networking |
| Uhrzeit | Programmpunkt |
|---|---|
| ab 8:00 | Get-together mit Getränken und Gesprächen |
Themenblock 4 – Forschung & Entwicklung II
| Uhrzeit | Vortrag |
|---|---|
| 08:30–09:30 | Schadstoffrückhalt von Substraten – Prof. Dr. Michael Burkhardt |
| 09:30–10:30 | B-R-S als Element der klimaangepassten Stadtentwässerung – Prof. Dr. Markus Quirmbach |
| 10:30–11:00 | Pause |
Themenblock 5 – Nachhaltige Stadtentwicklung und Klimaresilienz im urbanen Raum
| Uhrzeit | Vortrag |
|---|---|
| 11:00–12:00 | Co-Design für blau-grün-rote Quartiere und CO₂-Bilanzen – Stefan Böttger |
| 12:00–13:00 | Erfahrungen aus der Umsetzungspraxis: Was ist zu beachten? – Erwin Murer |
| 13:00–14:00 | Qualitätsprüfung und Normierung von PK-Substraten – Fredy Abächerli |
| 14:00–15:30 | Mittagessen in der Mensa – Networking |
| Ende der Veranstaltung |


Aktivitäten
Vom 29. Juli bis 2. August 2024 reiste das Black2GoGreen-Team nach Schweden, um praxisnahe Einblicke in Strategien zur Klimaanpassung und in nachhaltige Lösungen für das urbane Grün zu gewinnen. Im Mittelpunkt standen Besuche bei Projekten, die Pflanzenkohle-Makadam-Substrate (PMS) einsetzen – ein Ansatz, der in Schweden seit mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreich angewendet wird.
In Malmö und Stockholm besuchte das Team Projekte, die zeigen, wie Pflanzenkohle und Makadam-Schichten im Stadtraum umgesetzt werden können. Neben der technischen Umsetzung stand das Gespräch mit den schwedischen Fachleuten im Vordergrund, die diese Methoden kontinuierlich weiterentwickeln.
Die Reise bot die Gelegenheit, die praktischen Erfolge dieser langjährigen Ansätze aus erster Hand kennenzulernen – und Raum für Reflexion: Wie lassen sich die Erkenntnisse auf eigene Projekte übertragen? Welche Aspekte können künftige Entwicklungen anregen? Die Besichtigungen und der persönliche Austausch lieferten wertvolle Impulse und ein besseres Verständnis dafür, wie nachhaltige Lösungen für urbanes Grün langfristig umgesetzt werden können.
Unsere erste Station war Malmö, wo das Konzept der Blue-Green-Grey Systems (BGG) bereits umgesetzt wird. Bei einer Führung durch die Stadt zeigte uns Martin Vysoký, Landschaftsarchitekt und Mitautor des Handbuchs „Livable ’scapes – A Handbook of Blue-Green-Grey Systems“, verschiedene Anwendungsbeispiele.

Die BGG-Systeme in Malmö kombinieren Vegetationsflächen, Wasserrückhalt und belastbare Oberflächen, um städtische Räume widerstandsfähiger gegenüber Klimaveränderungen zu machen. Eine zentrale Rolle spielen offene Schotterschichten, die mit Pflanzenkohle (Biochar) angereichert werden. Diese Mischung kann bis zu 400 Liter Wasser pro Kubikmeter speichern, was besonders bei Starkregen das Kanalsystem entlastet. Zusätzlich verbessert die Pflanzenkohle die Nährstoffspeicherung und schafft gute Bedingungen für das Wurzelwachstum.
Ein Beispiel ist die Straße Ängelholmsgatan, in der Bioretentionsflächen in Kombination mit offenen Schotterschichten angelegt wurden. Sie halten Regenwasser zurück und filtern es zugleich, bevor es in das Kanalsystem gelangt. Solche Maßnahmen senken das Überflutungsrisiko und unterstützen eine nachhaltige Stadtplanung.
Straßenbaum mit Unterpflanzung in einem Beet vor einem hellen Wohnhaus. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Bepflanztes Beet mit Gräsern am Straßenrand, daneben parkende Autos. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Stamm eines Straßenbaums mit angebrachtem Messgerät. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Fallrohr an einer Hauswand, das Regenwasser in den Gehwegbereich leitet. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Baum mit dichter Unterpflanzung in einem Straßenbeet. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Straßenbaum mit Beet vor einem roten Backsteinhaus. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Weitere Ansicht eines Straßenbeets mit Baum vor einem Backsteinhaus. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Straßenbaum mit Staudenbeet vor einem hellen Wohnhaus mit rotem Tor. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.

Ein weiteres Projekt ist die Gestaltung öffentlicher Plätze, auf denen in stark genutzten Bereichen wie Gehwegen oder Parkflächen vegetationsfreundliche Pflanzsubstrate verwendet werden. Dank der porösen Struktur bleibt das Substrat auch unter Verkehrslast luft- und wasserdurchlässig, was langfristig widerstandsfähige Vegetation fördert.
Die in Malmö umgesetzten Lösungen beruhen auf detaillierten Planungen, wie sie im Handbuch beschrieben werden, und dienen als Vorbild für ähnliche Vorhaben im Rahmen von Black2GoGreen.
Baum auf einem gepflasterten Platz zwischen Wohngebäuden. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Junge Bäume entlang eines Gehwegs vor einem Backsteingebäude. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Gepflasterter Platz mit Bäumen und Fahrrädern. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Baum mit Baumscheibe auf einem Platz vor einem Backsteinbau. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Pflasterfläche mit Baumscheibe und Einlaufrost. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Platz mit Bäumen und abgestellten Fahrrädern vor einem Gebäude. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Personen besichtigen einen jungen Baum mit Stützgerüst auf einem Platz. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Bäume auf einem gepflasterten Platz mit Fahrradständern. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Danach ging die Reise nach Stockholm, wo wir das Stockholmer Modell näher kennenlernten. Die Stadt integriert nicht nur Bäume in die urbane Landschaft, sondern verbessert auch den Umgang mit Regenwasser grundlegend. Das Modell, das unter der Leitung von Björn Embrén entwickelt wurde, folgt einem einfachen, aber wirksamen Prinzip: den Boden für Bäume und Wasser gleichermaßen nutzbar zu machen.
Wir trafen Björn Embrén persönlich. Mit technischer Expertise und spürbarer Leidenschaft erklärte er, wie das Modell entstanden ist: „Es war uns klar, dass wir den Bäumen mehr Raum geben müssen – nicht nur oberirdisch, sondern vor allem unter der Erde.“ Daraus entstand die Skeletterde, eine Mischung aus grobem Schotter und feinem Substrat, die Wurzelwachstum ermöglicht und zugleich den Boden unter Straßen und Gehwegen stabil hält.

Die Idee entstand aus der Notwendigkeit, Stadtbäume besser an die oft widrigen Bedingungen in Städten anzupassen: versiegelte Böden, begrenzte Wurzelräume und schlechte Wasserverfügbarkeit. Ziel war ein System, das die Lebensbedingungen der Bäume verbessert und zugleich Regenwasser aufnimmt und speichert.
Ein Durchbruch war die Einführung der Stockholmer Skeletterde – ein Substrat aus grobem Schotter (90–150 mm), der mit einer dünnen Schicht organischen Pflanzsubstrats überzogen ist. Das Material bleibt tragfähig genug für Straßen- und Gehwegoberflächen und bietet gleichzeitig Hohlräume für Wurzeln, Wasser und Luft.
Straßenbäume vor historischen Wohnhäusern in Stockholm. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Straßenbaum in einer schmalen Baumscheibe vor einem Wohnhaus in Stockholm. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.
Straßenzug mit Bäumen und geparktem Lieferwagen in Stockholm. Foto: Emir Hasanagić / Claudia Kammann, Black2GoGreen.

In Städten liegen viele Plätze und Straßen auf Tiefgaragen, U-Bahn-Stationen oder anderen Bauwerken. Das stellt besondere Anforderungen an die Planung von Pflanzgruben: Die Belastbarkeit des Untergrunds, das Ziel der Begrünung und die Zusammensetzung des Substrats müssen genau aufeinander abgestimmt werden.
Für kleine Bäume oder Sträucher reicht eine Substrattiefe von etwa 60 cm. Größere Bäume benötigen mindestens 1 Meter, damit ihre Wurzeln genug Platz haben und die Pflanzen ausreichend mit Wasser, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Gleichzeitig muss das Substrat Wasser speichern und abführen können, damit keine Staunässe entsteht.
Häufig werden dafür Substrate mit Leichtbaustoffen wie Bims oder Blähton verwendet. Sie sind leicht und haben ein großes Porenvolumen, das Wasser speichern und zugleich die Last auf den Untergrund verringern kann. Größeren Pflanzgruben wird oft Pflanzenkohle beigemischt. Sie hilft, Nährstoffe zu binden, Schadstoffe zu filtern und die Wasserspeicherkapazität zu erhöhen. Pflanzenkohle ist sehr langlebig und trägt dazu bei, dass das Substrat über Jahrzehnte stabil bleibt.
Auf unterbauten Flächen muss die zusätzliche Last durch gespeichertes Wasser berücksichtigt werden, denn Wasser kann das Gewicht erheblich erhöhen. Zusätzlich sollten Belüftungsschichten eingeplant werden, die den Sauerstoffaustausch unterstützen und die Gesundheit der Wurzeln fördern.
Je nach Projekt unterscheiden sich die Anforderungen: Manchmal sind flachere Pflanzgruben mit höherem Porenvolumen nötig, in anderen Fällen tiefere Gruben mit hohem Wasserrückhaltevermögen. Für solche Planungen gibt das schwedische Gründach-Handbuch detaillierte Empfehlungen, die sich an verschiedenen Vegetationstypen orientieren.


Während unseres Besuchs in Stockholm trafen wir Sofia Eskilsdotter, Landschaftsarchitektin und Teil des Planungsteams von Slussen. Sie führte uns über die Baustelle und erläuterte die umfassenden Veränderungen an diesem zentralen Ort der Stadt. Slussen – schwedisch für „die Schleuse“ – wird derzeit von einem rein funktionalen Verkehrsknotenpunkt zu einem lebendigen öffentlichen Raum umgestaltet.
Die Neugestaltung verfolgt mehrere Ziele: Sie soll den veränderten Mobilitätsbedürfnissen gerecht werden, die Stadt auf ein sich wandelndes Klima vorbereiten und neue Plätze, Wege und Grünflächen mit Aufenthaltsqualität schaffen. Sofia Eskilsdotter zeigte uns, wie eng die Planung der Grünflächen mit dem Ausbau der Infrastruktur verbunden ist. Insbesondere soll mehr Wasser aus dem Mälaren-See abgeführt werden können, um die Stadt vor Überschwemmungen zu schützen und die Trinkwasserversorgung zu sichern.

Alle Grünflächen und Bäume werden nach den Prinzipien des Stockholmer Modells gestaltet. Die Pflanzungen sind so angelegt, dass sie auch unter den besonderen Bedingungen der Stadt – versiegelte Flächen und hohe Verkehrsbelastung – gedeihen können. Gleichzeitig entstehen öffentliche Räume, die für Fußgänger und Radfahrer besser zugänglich sind und die Stadt mit ihrer Umgebung verbinden.
Mehr über das Projekt Slussen erfahren Sie auf der offiziellen Instagram-Seite des Projekts.
Das Team von Black2GoGreen dankt allen, die diese Reise möglich gemacht haben – besonders unseren Gastgeberinnen und Gastgebern in Schweden: Cecilia Sundberg, Mattias Gustafsson, Sofia Eskilsdotter, Martin Vysoký und Björn Embrén. Durch ihre Expertise, ihre Zeit und ihre Gastfreundschaft wurde die Reise zu einer bereichernden Erfahrung.

Aktivitäten
Titelbild: HCU Hamburg / Kirya Heinemann
Das Forschungsnetzwerk BlueGreenStreets brachte am 17. und 18. Juni 2024 erneut Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis zusammen. Veranstaltungsorte des zweiten Präsenztreffens waren die Ostschweizer Fachhochschule (OST) in Rapperswil und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil.
Ziel des Netzwerks, das von der HafenCity Universität Hamburg ins Leben gerufen wurde, ist der Austausch über Ansätze der blau-grünen Infrastruktur und urbane Baumpflanzungen. Die Teilnehmenden – Vertreter:innen von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – erörterten aktuelle Forschungsergebnisse und Lösungsansätze. Auch das Team von Black2GoGreen nahm an dem Treffen teil und informierte sich über die neuesten Entwicklungen.
Die Schwerpunktthemen waren die Behandlung von Regenwasser durch Filtersysteme, der Einsatz von Pflanzenkohle in Baumsubstraten und die Entwicklung von Substraten für Straßenbäume. Ein Höhepunkt war die Besichtigung der Test- und Monitoringanlagen an beiden Hochschulen. Besonders eindrucksvoll war die Anlage der ZHAW, die nach dem Vorbild der Wiener Baumlysimeteranlage entwickelt wurde und sich auf die Untersuchung von Struktursubstraten mit Bäumen konzentriert.
Das Treffen bot neben fachlichem Input auch Raum für anregende Gespräche am Zürichsee. Die sehr gute Organisation und das vielfältige Programm machten die Veranstaltung zu einem bereichernden Erlebnis für alle Beteiligten.